Peinliche Momente im Leben eines Zauberers: Episode 2: Verschwundene Finger

Zauberer Tino Plaz

Episode 2: Verschwundene Finger

Dieses Erlebnis ereignete sich an einem sehr stressigen Tag im November 2014. Mittags war ich in Domat/Ems beim Meeting einer Bank engagiert, am Nachmittag bei einer Geburtstagsfeier in Davos und abends schliesslich noch ein drittes Mal bei einem Firmenevent im Fürstentum Liechtenstein (Restaurant Weinstube in Nendeln). Es handelte sich dabei um ein Weihnachtsessen bei dem sowohl die Angestellten der Firma als auch internationale Partner teilnahmen; kurzum, etwa 80 gut gelaunte Gesichter erwarteten mich zu meiner Stand-up Vorführung, welche ich den anwesenden US-Amerikanern zu liebe halb in Deutsch, halb in Englisch präsentierte. Alles lief wunderbar in diesem ersten Einsatz, die Leute lachten und staunten, wie es sein soll.

Wie auch immer, im zweiten Teil meiner Vorführung war es meine Aufgabe, die Gäste in kleineren Gruppen bzw. direkt an den Tischen zu bezaubern. Ich pendelte also von Tisch zu Tisch und erreichte schliesslich eine Gruppe der erwähnten Amerikaner. Nun durfte ich bereits nach dem ersten Kunststück feststellen, dass diese Landsleute besonders ausdrucksstark auf Zauberkunststücke reagieren – jedenfalls viel stärker als ihre Liechtensteiner Kollegen dies taten. Nach einem gelungen Kartenexperiment sprang sogar ein Gentleman von seinem Stuhl auf, warf die Hände über seinen Kopf und rannte “oh my god” brüllend einmal durch den ganzen Saal… gottseidank erholte er sich auch genau so schnell wieder und ich konnte weitermachen.

Nun stand ein Münzkunststück an. Ich forderte einen etwas trocken wirkenden Herrn auf, eine Silbermünze zwischen seinen Fingern zu halten. Genauer gesagt tat ich dies sehr ausdrücklich, denn Klarheit ist in besagtem Kunststück alles! Ich bat ihn also, die Münze explizit mit den Spitzen seines rechten Daumens und Zeigefingers zu halten. Nun trug es sich so zu, dass der Herr, meiner Bitte nachkommend, seine bis anhin unter dem Tisch ruhende Hand hob. Erst jetzt bemerkte ich mit Schrecken, dass ihm ausgerechnet Daumen und Zeigefinger seiner rechten Hand – vermutlich aufgrund eines Unfalls – fehlten! Noch nie im Leben bin ich so rot angelaufen, wie ich es an jenem Abend tat. Hier zeigte sich aber die bemerkenswerte Fähigkeit der Amerikaner, gelassen mit dem eigenen Schicksal umzugehen und sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen; Der Gentleman meinte bloss vorwitzig: “Look Mr. Plaz, I am a magician too – I made my fingers disappear!” (“Sehen Sie, ich bin auch Zauberer – ich habe meine Finger verschwinden lassen!”). Und ich tat, was wahrscheinlich das einzig Richtige in dieser Situation war: Ich stimmte ins allgemeine Gelächter ein und wir lachten alle gemeinsam über diesen sonderbaren Zufall.

 

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