Peinliche Momente im Leben eines Zauberers: Episode 1: Das Hochzeitskleid

Episode 1: Der Zauberer und das Hochzeitskleid

Fehler passieren da, wo gearbeitet wird. Wo gehobelt wird, da fallen auch Späne. Wissen Sie, auch ein Zauberer kann in Unangenehme Situationen kommen. Jetzt im Nachhinein kann ich über folgende Begebenheit lachen, es sind ja nun auch gut zwei Jahre seither vergangen. Damals wäre ich vor Scham am Liebsten im Boden versunken. Weil alles aber ein entspanntes Ende nahm, kann ich heute glücklicherweise darüber lachen. Beginnen wir aber ganz von Vorne.

Es war ein wunderschöner Juli-Tag. Die Sonne lachte und ein Auftritt an einer Hochzeitsfeier in Bad Ragaz stand an. Der Apèro fand nachmittags bei warmen Temperaturen auf der wunderbaren Gartenterrasse des Hotels Tamina statt und die Gäste waren bei bester Laune. Meinen ersten Einsatz durfte ich in Form der Apèro-Zauberei (Tischzauberei) leisten. Ich war wunderbar in Form und die sich verwandelden Spielkarten, das erscheinende Geld und die wandernden Münzen sorgten schnell für gute Stimmung und angeregte Unterhaltungen. Mal zeigte ich dieser Gruppe ein kleines Wunder, dann jener. So weit so gut.

Das Schicksal nimmt seinen Lauf

So gegen 18.00h wurden die gut 60 Gäste zwecks Nachtessen in den grossen Saal des Restaurants gebeten. Damit hatte ich eine kleine Verschnaufpause, denn mein nächster Einsatz war erst für die Pause nach dem Hauptgang geplant. Dann sollte ich meine Stand-up Vorführung von 30 Minuten Dauer für alle Gäste gleichzeitig darbieten. Ich war schon in den Startlöchern, wartete nur noch ab, bis die letzten Teller abgeräumt wurden und der Trauzeuge mich ankündigte. Dann ging es los. Zunächst lief alles wie geschmiert. Lachen, Staunen, wieder Lachen. Und dann plötzlich HABE ich geschmiert. Es kam eine Stelle im Programm, in der ich den Bräutigam und die Braut in ihrem wunderbaren Kleid nach vorne bat, damit sie mir bei einem besonderen Kunststück assistieren konnten. Genauer gesagt sollte die Braut eine frei gewählte Spielkarte mit einem wasserfesten, schwarzen Filzstift  unterzeichnen (damit diese später zweifelsfrei wiedererkannt werden konnte). Damit ich die Identität der Karte nicht sehen konnte, wendete ich mich gewohnheitshalber ab. Als die Braut nun kund tat, dass sie ihre Aufgabe erfüllt hatte, erbat ich – noch immer ohne hin zu sehen – meinen Filzschreiber zurück. Meine danach ausgestreckte Hand fühlte den Schreiber bereits, hatte ich den Stift jedoch dummerweise noch nicht vollständig ergriffen, als die Braut ihn losliess. Ich wendete den Kopf zurück und sah das Schreibgerät – förmlich in Zeitlupe – hinunterfallen, genau in Richtung Brautkleid… am Liebsten hätte ich geschrien, als ich den etwa 5 cm langen, schwarzen Strich erblickte, der von nun an für immer von meinem Versagen zeugen sollte. Die Zeit stand einen Augenblick still, kein Zuschauer atmete. Die Braut blickte mich an. Ich kann nur schwer beschreiben, wie schrecklich ich mich fühlte, wie oft ich beteuerte, dass es mir unendlich Leid tat und dass ich für die Reinigung natürlich aufkam, fühlte in Gedanken schon die Faust des Bräutigams im Gesicht… doch dann löste sich der Schock, die Braut lächelte und sagte schliesslich, dass das alles gar nicht so schlimm sei – sie würde das Kleid heute ja schliesslich zum letzten Mal tragen… was für eine grossmütige Frau! Und was für eine Geschichte für meine Anekdotensammlung!

Zauberer Hochzeiten

Der Zauberer und das Hochzeitskleid

 

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